Die Anfänge

Der 1. Grundstein wurde schon 1902 gelegt, als am 17.11.1902 in Warnemünde in Gaedcke’s Hotel ein Ortsverein für die plattdeutsche Mundart gegründet wurde, welcher später eine bedeutende Rolle für die Gründung und Entstehung eines Museums in Warnemünde trug. Es wurde dargelegt, „die richtige Pflegestätte könne die die plattdeutsche Sprache und plattdeutsche Art nur in einem bestehenden Verein finden, der durch plattdeutsche Vorträge, Aufführung von plattdeutschen Theaterstücken, plattdeutsche Unterhaltung, gemeinschaftliches Singen plattdeutscher Lieder u. die Lust und Liebe zur Muttersprache hebe und fördere“. Die Anwesenden entschieden sich in der sofort vorgenommenen Taufe für den Vereinsnamen „Plattdütscher Verein för Warnemünde un Uemgegend“.
Es wurden Theaterstücke aufgeführt, Lieder in Platt gesungen und regelmäßig Ausflüge in unsere mecklenburgische Heimat unternommen.

Am 12. Februar 1914 diskutierten Warnemünder Bürger und der plattdeutsche Verein über eine museale Sammlung, da man beobachtete, wie gern die Badegäste alte Gebrauchsgegenstände als Andenken mit nach Hause nahmen, und so konnte man später lesen:

„ Herr Heinrich Holtfreter regte an, een Sammelstell von alle Warnmünner Saken, as Drachten, Möbel, Biller un anner Gegenstänn to gründen un as so`n Ort Museum intorichten, de för spärere Tiden enen groten Wiert kregen. De Saken güngen nu all mihrstens na utwarts , un dat wier doch egentlich de Warnmünners ehr Plicht, disse ollen Saken von Grot- un Urgrotöllern her denn Urt to erhollen. De Anrägung fünn allgemeinen Bifall un wörd denn Vörstand een Kommischon to Hand gäwen, de in negste Tid de Sak in de Wäg leiten det.“

Damit wurde der 2. Grundstein gelegt, ein Museum sollte eingerichtet werden und am Montag, den 4. Mai 1914 konnte der Plattdeutsche Verein Vollzug berichten:

„Dörch de fründliche Unterstüttung von Herrn Dr. Barnewitz is disse Angelägenheit nu so wiet, dat dat Museum fix un farig is. Dat Museum is jeden Dag nahmiddags von 5-7 up. Sünndags is dat Museum denn ganzen Dag up und sünd denn 25 Penning Intrittsgeld to betahlen.

Adolf AhrensTrotz des mittlerweile begonnenen 1. Weltkrieges sammelten Enthusiasten wie der Fischer Heinrich Holtfreter, der Lehrer Adolf Ahrens und der Buchdrucker Ernst Strübing Objekte, um deren Ausverkauf durch die Badegäste zu verhindern. Einer der drei, Adolf Ahrens (Bild), Lehrer in Warnemünde und erster Museumsdirektor, erfasste darüber hinaus Daten und Fakten aus den Kriegstagen der Jahre 1914 bis 1918 und notierte sie in einem Tagebuch. Ein erstes geschlossenes Sammlungskonvolut zur Situation in Warnemünde während des Ersten Weltkrieges entstand und ist bis heute erhalten.
1915 stellte Ahrens nach einem Jahr erfolgreichen Sammelns fest: „Unter dem Dach der alten Häuser oben am Strom war noch manches Gerümpel aufgestapelt, das während mehrerer Generationen allmählich aus dem Gebrauch des Tages zu verschwinden pflegte.“ Dieses Gerümpel entpuppte sich als einzigartig. Als es denn endlich zur Schau gestellt war, bemerkten die Warnemünder:

„So wat hebben wi jo ok noch, wenn dat tau bruken is, denn will‘w dat ok man herbringen.”

 

Das Museum erhält ein Heim

Die in wenigen Jahren um mehrere hundert Objekte angewachsene Sammlung bekam 1933 bedeutenden Zuwachs. Haus
Christine Jungmann übergab ihr Haus in der Alexandrinenstraße 31 an die Sammler, bis dahin war die Sammlung im Obergeschoss der Fritz-Reuter-Schule untergebracht.
Sie vermachte außerdem alles, was „Altertumswert hatte“: Messingkessel, Dreifüße, Brusttücher, Gesangsbücher, Geschirr und vieles mehr. Die Familie Jungmann und deren Vorfahren bewohnten das aus dem Jahr 1767 stammende Haus seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, so dass die Hinterlassenschaft der alten Dame nicht nur viele Warnemünder Geschichten, sondern auch ganz speziell die „Hausgeschichte“ erzählt. Die Übernahme des Jungmannschen Bestandes betreute schon der zweite Museumsleiter. Da Ahrens Ende der 1920er Jahre nach schwerer Krankheit verstorben war, bewarb sich der Rostocker Lehrer Johannes Gosselck um das (Ehren)Amt und leitet bis in die ersten Nachkriegsmonate hinein das Haus.
Zum 25-jährigen Jubiläum der volkskundlichen Sammlung 1939 brachte Johannes Gosselck den ersten Museumsführer heraus. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Exponate unter seiner Leitung in die Kirchen in Lichtenhagen und Hanstorf ausgelagert. Einige wertvolle Stücke gingen dabei verloren, andere sind seit dem Kriegsende 1945 und damit im Zusammenhang stehenden Plünderungen vermisst.

Die Zeit von Umbau und Trägerwechsel

Nach Gosselck wurde die Sammlung bis zum Ende der 1970er Jahre nicht immer professionell betreut. In den 1970er Jahren konnte das stark vernachlässigte Gebäude saniert und unter der organisatorischen Leitung des Schifffahrtsmuseums neu eröffnet werden.
Seit 1991 wird ein Teil des Nachbarhauses Nr. 30 genutzt, was die Ausstellungsfläche auf etwa 240 Quadratmeter erweiterte. Ein neues Ausstellungskonzept erhöhte die Attraktivität.

Gründung des Museumsvereins – Das Heimatmuseum heute

Trotzdem stand 2003 das Museum vor der Schließung, da die knappen Finanzen der Stadt Rostock eine Weiterführung in der bisherigen Form nicht zuließ. Durch die Gründung des Museumsvereins Warnemünde e.V.‚ der mit einem Betreibervertrag mit der Stadt Rostock seit 2005 das Haus weiterführt, konnte dies verhindert werden.
Unter Federführung des Vereins und der engagierten Leitung der im Museum langjährig tätigen Museologin Carmen Rottmann wurde das Haus nicht nur erhalten, sondern mit den vielfältigsten Initiativen und Aktivitäten kontinuierlich weiterentwickelt.
Seit 01.05.2014 wird diese erfolgreiche Arbeit durch die Historikerin Frau Dr. Kathrin Möller mit neuem und frischem Wind fortgeführt, was sich nicht nur in der aktuellen Sonderausstellung zeigt.
Mit Hilfe der Geldspenden von Bürgern, Geschäftsleuten und Institutionen, nicht nur aus Warnemünde, sowie einem hohen Engagement der aktiven Vereinsmitglieder ist es gelungen, mit dem Vermieter (KOE Rostock) das Heimatmuseum Warnemünde mit seiner historischen Warnemünder Fassade zu sanieren und in der technischen Gebäudeausrüstung zu modernisieren.

Heute, nach 100 Jahren des Sammelns und Bewahrens, beherbergt das Heimatmuseum Warnemünde eine bedeutende volkskundliche Sammlung, insgesamt sind ca. 20.000 Objekte, Fotos, Archivalien und Bücher erfasst.

Bleibt das große ehrenamtliche Engagement der Warnemünder und Freunde des Museums erhalten, das für die Gründung und den Bestand der Einrichtung gesorgt hat, sollte ein 200. Geburtstag nicht unwahrscheinlich sein.