Die Warnemünder Brautkrone

WA_Z_2030 Zu einer Hochzeit im alten Fischerdorf Warnemünde musste die Braut unbedingt eine kunstvoll gearbeitete Krone
tragen.
Vor fast hundert Jahren beschrieb Friedrich Barnewitz ganz genau, wie in Warnemünde früher geheiratet wurde:
„…glaubte der Mann mit seiner Auserwählten die Ehe eingehen zu können, so übergab er seiner Braut unter vier
Augen ein Gesangbuch, in dessen vier mit reichem Silberbeschlag versehenen Ecken Anker eingeschnitten waren…
Das war der Antrag, ein Antrag ohne Worte.“

War die Braut einverstanden, dann nahm sie – ebenfalls wieder ohne Worte – das Geschenk an. Das war dann das bindende Verlöbnis, das am folgenden Sonntag in der Kirche eingesegnet wurde. Die eigentliche Hochzeit wurde vom jungen Paar für nicht so entscheidend gehalten, obwohl sie im Ort ganz groß gefeiert wurde. An diesem Tage trug dann die Braut die Krone, ein kunstvolles Gebilde aus Silberdrähten, bunten Glasperlen und mit Goldfäden bestickten Ohrenklappen.

Ursprünglich gab es im Ort dafür zwei solche Brautkronen, die eine wurde bei der Ehefrau des Pastors ausgeliehen, die andere bei einer Putzmacherin. Die bei der Kirche ausgeliehene Brautkrone können Sie hier sehen, sie ist wohl mehr als 200 Jahre alt. Die zweite Brautkrone wurde 1882 der Putzmacherin Trinliesch Michelsen ins Grab gelegt. Sie hatte als letzte Warnemünderin die Brautkrone aufbewahrt und bei Gelegenheit verliehen. Diese Krone, bzw. was von ihr übrig blieb, ist erhalten und in unserem Museum bewahrt, nachdem sie 30 Jahre später aus dem Grab geborgen wurde.


Die Seekiste

seekisteSie war ein Mehrzweckmöbel des Seemanns während der Zeit der klassischen Segelschifffahrt. Das Heimatmuseum Warnemünde besitzt einige schöne Exemplare, die ihm von Seeleuten aus der Region überlassen wurden.
Die Seekisten gibt es seit ca. 500 Jahren. Schon die Wikinger kannten diese, wie die nordischen Saga’s belegen. In Funktion und Design und vor allem in der Länge haben sich die Seekisten in all den Jahren erstaunlicherweise kaum verändert. Sie war das Eigentum des Seemanns an Bord, sein ganzer Besitz befand sich darin. Und das bei endlos langen Seefahrten. Sie diente somit als Koffer bzw. Schrank, auch als Sitzmöbel und manchmal auch als Essplatz. Bei schlechtem Wetter soll sich der Seemann mit seinem nassem Ölzeug auch auf diese Kiste gelegt haben, dann wurde die Koje nicht nass.


Ungewöhnliche Bilder

dioramaDas Heimatmuseum ist im Besitz von mehreren Dioramen, auch „Schiffe in Kasten“ genannt.
Während sich die Kapitäne in den Häfen detailgetreue Ölbilder von ihren Segel- und später Dampfschiffen anfertigten liessen, hatten die einfachen Seeleute auf ihren langen Fahrten ein anderes Hobby. Sie beschäftigten sich entweder mit dem Bau von Buddelschiffen oder mit Nachbildungen ihres Segelschiffes aus Materialien, die sie an Bord fanden.
Der Kasten zur Aufnahme des Halbmodells war immer Holz. Die Wellen wurden aus Gips, Kitt oder aufgeräufeltem Tau gefertigt. Der Rumpf des Schiffes war aus Holz und in der Länge halbiert, die Segel wurden aus dünnem Holz geschnitzt oder aus Blech gebogen und weiss bemalt. Takelage, Beflaggung und Schiffsaufbauten wurden mit großer Sorgfalt gefertigt. Die Rückwand bildete in verschiedenen Blautönen den Himmel. Am Horizont erschienen, je nach Fantasie des Künstlers, Gebäude des Heimathafens, bergige Landschaften und weitere kleine Wasserfahrzeuge. Zu Hause wurde das Halbmodell mit einem breiten Rahmen und einer Glasscheibe versehen.